Die türkische Badekultur in Ungarn
Ungarn ist für seine Badekultur weltweit bekannt. Bis heute sind von der zweiten osmanisch- türkischen Badekultur sehr viele bis heute funktionierende Thermen erhalten geblieben. Im 16. und 17. Jahrhundert herrschten in Ungarn die Türken und da spielten die Bäder im gesellschaftlichen Leben eine sehr bedeutende Rolle. Die Bäder dienten nicht nur der Reinigung des Körpers, sondern vor allem wurden hier Geschäfte geschlossen, Intrigen gesponnen und sogar politische Morde begangen. Zudem badete man hier verletzte Pferde, sofern sie einem Pascha oder einem ebenbürtigen Türken gehörten.
Heute ist es freilich nicht mehr gestattet, Pferde zu baden und auch gemordet wird nicht mehr. Aber die exotische Stimmung von früher ist bis heute beeindruckend erhalten geblieben. Typisch für ein solches türkisches Bad ist das Zwielicht, in das große sechseckige Wasserbecken mit hohen Stufen getaucht sind. Des weiteren gibt es überall breite Strahler, die das warme Quellwasser immer wieder in die Becken pumpen. Meist gibt es noch kleinere Badebecken, in denen das Wasser unterschiedlich temperiert ist. Hier reichen die Temperaturen von kühlen 16 Grad Celsius bis hin zu heißen 42 Grad Celsius. Auch gehören Dampfbäder fest zur Badekultur der Türken und somit auch nach Ungarn. Besonders im Ruda-Bad in Ungarn gibt es ein Dampfbad mit Kamillenduft, in dem die feucht-heiße Luft durch Behälter, die einem Backblech ähneln, das mit Kamillenblüten belegt sind, in das Dampfbad geleitet wird. Das Ruda-Bad ist bis heute ganz nach dem Erbauer Pascha Mustafa Sokoli erhalten geblieben. Allerdings findet man in der Eingangshalle den Retrostil des sozialistischen Realismus wieder. Neben dem türkischen Bad befindet sich hier noch ein normales Schwimmbad.
