9. bis 15. Jahrhundert

Schon lange bevor die Magyaren das heutige Ungarn erreichten, war das Land in Besitz der unterschiedlichsten Herrscher und Kulturen. Das iranische Volk der Skythen und die Kelten siedelten bereits im Karpatenbecken, als das römische Reich auf diesen Landstrich aufmerksam wurde. Pannonien, das sich über Teile des heutigen Ungarn, Österreich, Serbien, Slowenien und Kroatien erstreckte, fiel in mehreren Kriegen an das Römische Reich. Es wurde römische Provinz, Roms Eisenproduzent und Erholungsort römischer Bürger. Dafür profitierte es von allen Vorteilen einer römischen Provinz, angefangen vom Bau diverser Zentralheizungen und Thermen über die Aufwertung und Restauration von Gebäuden bis hin zum römischen Recht und der Verbreitung der Schrift. Im 4. Jahrhundert trat Rom die Herrschaft über Pannonien an die Hunnen ab. Nach dem Tod des legendären Hunnenkönigs Attila im 5. Jahrhundert zerfiel das Hunnenreich aber relativ rasch und es folgten erbitterte Machtkämpfe zwischen ansässigen Ostgoten, Langobarden und Awaren. Als die Magyaren das Gebiet im 9. Jahrhundert erreichten, siedelten dort vorwiegend Slawen.



Die Magyaren lebten bis zum 9. Jahrhundert unter den Chasaren in Levedien, unter denen es in dieser Zeit zu Unruhen kam. Die Magyaren stellten sich dabei gegen die Chasaren, aber der Aufstand scheiterte und viele Aufständige flüchteten zu den Magyaren. Für die war die Situation alles andere als sicher, der einzige Ausweg hieß: Flucht. Auf ausgedehnten Streifzügen hatten sie sich mit anderen Völkern wie den Byzantinern verbündet und flüchteten nun Ende des 9. Jahrhunderts unter der Führung ihres Großfürsten Árpád in Richtung der Karpaten. Nach weiteren Kämpfen mit anderen Stämmen besiedelten die Magyaren das Karpatenbecken. Ab 899 herrschten die Magyaren über ganz Pannonien.

Das erste ungarische Königreich geht auf Stephan I. zurück, der die magyarischen Stämme christianisierte und nach karolingischem Vorbild sowie gegen den heftigen Widerstand der Stammesfürsten im Jahr 1000 einigte. Bis zur Staatsgründung machten die Magyaren als Unruhestifter in ganz Europa von sich reden: Feldzüge bestimmten die Außenpolitik, Bereicherungen, Landnahme. Bei ihren Raubzügen waren sie äußerst erfolgreich, was wahrscheinlich sowohl auf ihr kriegerisches Geschick als auch auf die Machtkämpfe unter den Gegnern zurückzuführen war.

Außenpolitisch musste sich das neu gegründete Reich erstmals 1030 gegen das römisch-deutsche Kaiserreich bewähren, die Gefahr kam jedoch auch von innen: der Hochadel hatte sich keineswegs mit seiner Entmachtung abgefunden und so musste der ungarische König, der ab 1102 auch König von Kroatien war, viele Machtproben bestehen, die ihren Höhepunkt im 13. Jahrhundert fanden.

Im 13. Jahrhundert sah sich das Königreich dem "Mongolensturm" gegenüber. Die Mongolen verwüsteten und entvölkerten dabei breite Landstriche. In der Konsequenz holte der damals regierende König Béla IV. deutsche Siedler ins Land, die im Siebenbürgen und der heutigen Slowakei angesiedelt wurden.

Andreas III., der letzte aus der Linie der Árpád, starb im Jahr 1301. In den Jahren 1370-1386 und 1440-1444 oblag die Regierung Ungarns den Anjou und den Jagiellonen. Sigismund von Luxemburg und Matthias Corvinus brachten Ungarn gegen Ende des Mittelalters zur Blüte. Ungarn wurde nicht nur zur politischen Großmacht, sondern auch zum Zentrum der Renaissance und des Humanismus. Die polnisch-litauischen Jagiellonen regierten in Personalunion mit Böhmen das Reich, bis es nach der Schlacht bei Mohács 1526 an die Osmanen unter Süleyman den Prächtigen fiel.

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