1945 bis 1989
Nach dem 2. Weltkrieg gehörte Ungarn zur russischen Besatzungszone. Zunächst war die Erarbeitung einer demokratischen Verfassung für Ungarn vorgesehen worden. Die Kommunisten, durch eine politische Niederlage angestachelt, begannen jedoch, die Macht an sich zu reißen und bestehende Parteien aufzulösen. Die Wahl war angesichts einer einzigen teilnehmenden Partei eine Farce, schon bald war beschlossen, dass Ungarn eine Verfassung nach sowjetischem Vorbild bekommen sollte. Unter Mátyás Rákosi verfolgte der Staat von 1948 bis 1953 einen extremen, stalinistisch geprägten Kurs.
Ähnlich wie auch in der späteren DDR waren Schau- und Geheimprozesse in Ungarn an der Tagesordnung. Auch hier gab es eine Staatssicherheit, die ÁVH, die sowohl gegen offensichtliche "Feinde" als auch gegen Kommunisten vorging. Die stalinistische Ära in Ungarn endete vorerst 1953 mit dem Tod Stalins. Das war die Chance, auf die Imre Nagy gewartet hatte: als Ministerpräsident strebte er fortan Liberalisierung an. Aber schon 1955 wurde er durch die Parteispitze entmachtet, was innenpolitische Unruhen zur Folge hatte. Im Jahr 1956 schließlich wurde Nagy im Laufe eines Volksaufstandes erneut zum Ministerpräsidenten ernannt. Der Aufstand allerdings wurde mit Hilfe der sowjetischen Armee blutig niedergeschlagen. Nach dem gescheiterten Volksaufstand verließen mehr als 200.000 Ungarn ihr Land, viele aus Angst, fast alle auf der Suche nach Frieden und Freiheit. Wer es nicht rechtzeitig schaffte, das Land zu verlassen, dem erging es wie Nagy: er wurde hingerichtet.
János Kádár, neuer Parteichef, ehemaliger Stellvertreter Nagys und der Organisator der sowjetischen Intervention beim Volksaufstand übernahm die Leitung der Staatsgeschäfte von 1956 bis 1988. Allerdings setzte er ab 1968 in wirtschaftlichen Bereichen auf eine abgemilderte Form des Sozialismus, der auch Raum für privatwirtschaftliche Elemente ließ. Bekannt wurde diese Art des "milden Kommunismus" unter der Bezeichnung "Gulaschkommunismus".
Das Jahr 1988/89 markiert einen weiteren wichtigen Wendepunkt in Ungarns Geschichte. 1988 wurden erstmals Oppositionsgruppen toleriert, der Wirtschaftsreformer Miklós Németh übernahm das Amt des ungarischen Ministerpräsidenten. Bereits im Mai 1989 begann Ungarn damit, die in die Jahre gekommenen Grenzanlagen zu Österreich aus ökonomischen Gründen abzubauen. Diese Entscheidung wird heute als erste offizielle Öffnung des Eisernen Vorhangs gewertet, ein Schritt, der eine ganze Reihe von Ereignissen ins Rollen bringen sollte. Einmal mehr hatte Ungarn seinen Beitrag zur Weiterentwicklung Europas geleistet. Noch im gleichen Jahr fiel die Berliner Mauer, das Sinnbild für den Eisernen Vorhang schlechthin. Der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten stand nichts mehr im Weg. Aber auch Ungarn profitierte von dieser Entwicklung: auch hier wurde der Kommunismus zu Fall gebracht und der Weg zu einem demokratischen Regierungssystem geebnet. Am 23. Oktober 1989 wurde die dritte ungarische Republik ausgerufen.

