Städte Ungarns

Ungarns wichtigste Stadt ist unbestritten seine Hauptstadt, Budapest. Daneben gibt es aber auch andere interessante Ortschaften, die zum Teil bereits seit der Steinzeit besiedelt worden sind. Zu ihnen gehören beispielsweise Györ, Sopron und Szentendre, die in diesem Abschnitt ein klein wenig näher beleuchtet werden sollen. Alle drei Städte befinden sich in einem Gebiet, das bereits vor Jahrtausenden das erste Mal von Menschen bewohnt wurde. Györ, zum Beispiel, gründete sich auf der römischen Siedlung Arrabona. Der Name dieser Siedlung verlieh ihr auch ihre deutsche Bezeichnung, Raab.



Györ liegt im Nordwesten Ungarns und nahm als Vorposten von Wien in den Türkenkriegen eine bedeutende Rolle ein. Ihrer zentralen Lage zwischen Wien, Budapest und Bratislava verdankt die Stadt heute seine Bedeutung als eine der wichtigsten Industriestandorte Ungarns. Ihr großer Vorteil: dem etwa 130.000 Einwohner zählenden Ort sieht man nicht an, dass dort unter anderem jährlich etwa 1,8 Mio. Motoren produziert werden. Stattdessen lockt er mit seiner barocken Altstadt und der bischöflichen Burg, mit einer Thermalquelle und guter Erreichbarkeit sowohl von Wien als auch von Budapest aus.

Sopron hat eine Sonderstellung inne: das Stadtgebiet im Westen Ungarns ist umschlossen von österreichischem Staatsgebiet. Die Geburtsstadt Franz Liszts ist offiziell zweisprachig und verband Ungarn schon immer mit seinem Nachbarn Österreich. Sopron, auch Ödenburg genannt, ist übrigens eine der ältesten Städte des Landes und kann auf eine Besiedlungsgeschichte bis zu den Illyrern und Kelten zurückblicken. Unter der sehr sehenswerten Altstadt befinden sich auch heute noch Überreste einer römischen Siedlung. Die Altstadt selbst musste im 17. Jahrhundert in weiten Teilen wieder aufgebaut werden, da ein Feuer viele Gebäude vollständig zerstört hatte. Von der eigentlich sehr langen und wechselvollen Geschichte der Stadt ist somit kaum etwas zu sehen. Die meisten der heute noch stehenden Gebäude wurden im Stil des Barock erbaut. Ganz in der Nähe von Sopron befindet sich übrigens nicht nur Wien sondern auch der Neusiedler See, der gern als Naherholungsgebiet genutzt wird.

Wie auch Budapest liegt Szentendre an der Donau, genauer gesagt in der Pannonischen Tiefebene. Bereits in der Steinzeit siedelten hier Menschen, was angesichts der guten Lage der Stadt nicht weiter verwundert. Über Jahrhunderte hinweg war die Stadt immer wieder Auffangbecken für die verschiedensten Völker und Glaubensrichtungen, was sich auch in ihrer Architektur ausdrückt. Die ehemalige Kleinstadt ist heute faktisch ein Vorort von Budapest. Trotzdem verfügt sie über einige Besonderheiten, die sie von der übermächtigen Hauptstadt abgrenzen. Hier findet man zum Beispiel die älteste Sonnenuhr Ungarns neben dem nationalen Weinmuseum und dem Szabó-Marzipanmuseum, das für große und kleine Leckermäulchen einen besonderen Anziehungspunkt bildet. Im Freilichtmuseum Skanzen wurden für Ungarn typische Gebäude, Gebrauchsgegenstände und Brücken aus dem ganzen Land zusammengetragen, er ist ein Hort ungarisch-bäuerlicher Architektur und Lebenskunst.

Leider befinden sich diese und noch andere Städte beständig im Schatten Budapests, das nach wie vor die meisten ausländischen Touristen anzieht. Es bleibt zu hoffen, dass einige aufmerksame Besucher Ungarn nicht nur auf Budapest und den Balaton reduzieren, dass sie über den Tellerrand hinaus schauen und erkennen, wie vielfältig und oft auch überraschend das Land der Magyaren eigentlich ist.