Skip to main content

Die Gellértberg Zitadelle in Budapest

Unter den zahlreichen Hügeln, die das Umland von Budapest prägen, gilt der Gellértberg am Westufer der Donau als der berühmteste und neben dem Budapester Burgviertel als einer der markantesten Plätze der Stadt. Der Gellértberg beeindruckt nicht nur wegen seiner üppigen Vegetation, sondern beherbergt auch einige der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten, die die ungarische Hauptstadt zu bieten hat. Nach einem Aufstieg auf den 235 Meter hohen Dolomitfelsen werden Besucher nicht nur mit einer atemberaubenden Aussicht, sondern auch mit höchst interessanten Sehenswürdigkeiten belohnt, deren Besichtigung einen ganzen Tag in Anspruch nimmt. Am Gipfelplateau des Gellértberges ragen zwei imposante Bauwerke in den Himmel, die beide als bedeutende Wahrzeichen der Stadt gelten. Während die berühmte Freiheitsstatue als Symbol für die ungarische Unabhängigkeit an der höchsten Erhebung des Berges an der Ostseite über der Stadt thront, liegt gleich dahinter die imposante Budapester Zitadelle. Mit einer Gesamtlänge von 220 Metern, einer Breite von sechzig Metern und nahezu vier Meter hohen Wänden stellt sie ein wichtiges Mahnmal der ungarischen Geschichte dar, das nicht nur jährlich Millionen Touristen anzieht, sondern auch als eines der beliebtesten Ausflugsziele der Budapester gilt. Neben mehreren Ausstellungen und einem Kulturzentrum beherbergt der prachtvolle Festungsbau am Gipfel des Gellértberges zwei beliebte und auch von Budapestern gerne besuchte Restaurants und ein Panoramacafé, wo man in unmittelbarer Nähe zur nahezu vierzig Meter hohen Freiheitsstatue einen majestätische Ausblick über Budapest, die Donau und die idyllische Hügellandschaft des Umlands genießen kann.


Die Geschichte des Budapester Festungsbaus

An dem Platz, an dem in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Zitadelle als Festungsbau errichtet wurde, stand ursprünglich ab 1815 eine Sternwarte, die als wissenschaftliches Gebäude von der Budapester Universität betrieben wurde. 1848 diente die Gegend um die Sternwarte als Stützpunkt der ungarischen Freiheitskämpfer, die sich gegen den politischen Einfluss der Habsburgermonarchie zur Wehr setzten. In der Nähe der Sternwarte postierten sie eine Reihe von Artilleriegeschützen, was in weiterer Folge zur völligen Zerstörung des kleinen Observatoriums durch die österreichischen Truppen führte. Die Budapester Zitadelle wurde an dessen Stelle in den Jahren zwischen 1850 und 1854 nach Plänen von Ferenc Kasselik und Emánuel Zita und unter der Leitung des Architekten Julius Jacob von Haynau erbaut, um dem Habsburgerreich eine bessere militärische Kontrolle über die Stadt Budapest zu sichern und Platz für sechzig Kanonen zu bieten. Nach der Niederschlagung des ungarischen Aufstandes in den Jahren 1848 und 1849 durch das österreichische Heer planten die Habsburger ursprünglich die Errichtung eines ganzen Festungsgürtels um die Stadt, dieses Vorhaben wurde jedoch nicht realisiert. Die Zitadelle hingegen wurde als Teil dieser Pläne errichtet, um die Einwohner der Stadt an die Macht der Österreicher zu erinnern und damit einen erneuten Aufstand der Ungarn zu verhindern. Es zeigte sich jedoch bald, dass die Zitadelle nicht die abschreckende Wirkung auf die Budapester ausübte, die sich die Habsburger gewünscht hatten. Mit dem österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 verlor die Festung zusehends an Bedeutung. Als die Zitadelle im Jahr 1899 in den Besitz der Ungarn überging, wurden einige Teile der Festigungsanlage abgetragen. Das restliche Bauwerk wurde während des Zweiten Weltkriegs von den Nationalsozialisten zu einem Bunker und einer Flugabwehrstellung umfunktioniert und fiel nach 1945 im Zuge blutiger Kämpfe in die Hände der sowjetischen Truppen. Seit den Sechzigerjahren dient das geschichtsträchtige Bauwerk, das nach der Wende im Jahr 1990 Gegenstand umfangreicher Modernisierungsbemühungen wurde, als wichtiger Anziehungspunkt für Touristen und die Bevölkerung Budapests gleichermaßen. Durch das vielseitige kulturelle und kulinarische Angebot wird bei einem Besuch der Festung leicht vergessen, dass die Zitadelle noch vor wenigen Jahrzehnten als militärische Anlage diente. Nur einige, aus dem Zweiten Weltkrieg stammende Schäden in den Mauern, die absichtlich als solche beibehalten wurden, erinnern noch an die turbulente Geschichte des imposanten Bauwerks, das heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

Das kulturelle und kulinarische Angebot

Dass die Zitadelle nicht nur für Touristen, sondern auch für Einheimische ein äußerst attraktives Ausflugsziel darstellt, verdankt das Bauwerk neben seinem einzigartigen Standort vor allem dem vielseitigen Freizeitangebot, das mit kulinarischem Genuss sowie Unterhaltung und Kultur für jeden Geschmack das richtige Programm bietet. In den beiden Gasthäusern der Zitadelle, dem Citadella Panorama Restaurant und dem Citadella Folklore Restaurant werden in insgesamt acht unterschiedlich gestalteten Räumen, die bis zu 250 Personen Platz bieten, die besten Schmankerl der ungarischen Küche sowie viele internationale Gerichte in Begleitung feinsten ungarischen Biers serviert. Die Räumlichkeiten der Restaurants sind besonders als Locations für Hochzeiten, Feste und Bankette bei den Budapestern beliebt und gewähren einen eindrucksvollen Ausblick über die Stadt. Die dazugehörige Grillterrasse bietet Besuchern darüber hinaus die Möglichkeit, einen über Holzkohle zubereiteten, typisch ungarischen Braten und ein kühles Fassbier einzunehmen. Die ebenfalls in der Zitadelle untergebrachte Citadella Lounge ist ein idealer Ort, um sich für den anstrengenden Aufstieg auf den Gellértberg zu belohnen und sich bei herrlichem Ausblick über die Donau und einem Kaffee, Cocktail oder einem Eisbecher zu erholen. Nicht nur tagsüber sind die Gaststätten in der Zitadelle ein beliebter Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen. Viele Menschen finden sich vor allem in der warmen Jahreszeit bevorzugt abends am Gipfel des Gellértberges in der Zitadelle ein, um bei einem gemütlichen Abendessen oder einigen Drinks in der Citadella Lounge oder im Biergarten die Stimmung der beleuchteten Stadt zu genießen.
An der Nordseite der Festungsmauer der Zitadelle reihen sich die Verkaufsstände aneinander und begeistern durch ein reichhaltiges Angebot an interessanten Souvenirs, die auch nach der Ungarn-Reise an den Ausflug zu diesem bedeutenden Bauwerk erinnern. Darüber hinaus beherbergt der Innenhof der Zitadelle ein Kulturevent-Zentrum, das eine Vielzahl von Veranstaltungen sowie für geschichtsinteressierte Besucher auch umfangreiche Kulturführungen durch alle Räumlichkeiten der Festung organisiert. In den Sommermonaten finden im Innenhof der Zitadelle abends auch oft Theateraufführungen und Freilicht-Disconächte vor einer malerischen Kulisse statt.

 Die Gellértberg Zitadelle in Budapest

Die Gellértberg Zitadelle in Budapest ©iStockphoto/amoklv

Die Ausstellungen in der Zitadelle

Besucher der Zitadelle werden unmittelbar nach Betreten des Geländes von großen Fotografien begrüßt, die verschiedene Orte und Plätze Budapests in mehreren Epochen zeigen. In der Ausstellung „Budapest Anno 1850 bis 1945“ wird auf eindrucksvolle Weise der architektonische und gesellschaftliche Wandel einer Großstadt veranschaulicht. Anschließend wird Besuchern mit einigen im Innenhof der Festung angebrachten Schaukästen einerseits die Geschichte der Zitadelle, andererseits Leben und Wirken von Bischof Gellért, dem Namensgebers des Berges näher gebracht. Entlang der Südseite widmet sich eine dritte Ausstellung der Belagerung der Zitadelle nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Hier können Besucher einige Artilleriegeschoße besichtigen, die einst zur Verteidigung der Festungsanlage eingesetzt wurden. In der Hauptsaison während der Sommermonate werden hier oft im Rahmen einer Zusatzausstellung verschiedene Waffen und Panzer präsentiert.

Das Bunkermuseum in der Budapester Zitadelle

In den Räumlichkeiten der Zitadelle, die den Nazis während des Zweiten Weltkriegs als Bunker dienten, ist die Ausstellung „Bunker 1944“ untergebracht, die die Zeit des Nationalsozialismus in Ungarn auf vielseitige Weise veranschaulicht. In siebzehn Räumen auf insgesamt 750 Quadratmetern, die im Jahr 1943 zum dreistöckigen Luftschutzbunker umfunktioniert wurden, begegnen die Besucher Wachsfiguren von Soldaten in originalen Uniformen und authentisch nachgebildeten Unterkünften. Alltägliche Situationen zeigen Soldaten in ihren Lagern, beim Arztbesuch oder im Büro. Unter den zahlreichen Exponaten des aufwendig gestalteten Museums befinden sich auch viele Propagandaplakate, Fotos aus den Kriegsjahren und militärische Abzeichen, die die Aktivitäten der Nationalsozialisten auf detaillierte Art verdeutlichen sollen. Filmvorführungen einiger Dokumentationen tragen ebenfalls zur umfangreichen Bildung bei. Zahlreiche Fotos von unterernährten Kindern jüdischer Herkunft erinnern an die Greueltaten der Nationalsozialisten und die Auswirkungen auf die ungarische Bevölkerung während der Zweiten Weltkrieges. In der düsteren Atmosphäre der unterirdischen Räumlichkeiten, in denen es von der Decke tropft und die dicken Wände jedes Echo schlucken, werden den Besuchern die Grausamkeiten noch deutlicher. Der ungarische Historiker Krisztián Ungváry stellte für die Ausstellung „Bunker 1944“ auch eine Abteilung aus unterschiedlichen Exponaten wie Fahnen, Fotos, Orden und Waffen zusammen, die sich in weiteren Räumen mit der Zeit nach 1945 und der Eroberung Ungarns durch die Rote Armee beschäftigen.

Der Aufstieg zur Zitadelle

Das Gipfelplateau des Gellértberges gilt als einer der schönsten Plätze Budapests und kann zu Fuß vom St. Gellért Platz oder von der Elisabethbrücke aus bequem zu Fuß erreicht werden. Am Fuße des Gellértberges stehen mehrere idyllische Wanderrouten durch die naturbelassene Waldlandschaft des gigantischen Dolomitfelsens zur Wahl, um zum Gipfelplateau zu gelangen. Unterwegs laden die vielen Bänke Besucher mit müden Wanderfüßen dazu ein, sich von den Strapazen des Aufstiegs ein wenig auszuruhen. Die Hauptwege sind im Gegensatz zu den Wanderwegen zwar etwas länger, weisen jedoch eine niedrigere Steigung auf und sind daher weniger anstrengend. Wer nicht gut zu Fuß unterwegs ist und sich den Aufstieg nicht zutraut, kann zur Zitadelle und Freiheitsstatue gemütlich mit der Buslinie Nr. 27 gelangen, die zwischen dem Gipfelplateau des Gellértberges und dem Móricz Zsigmond Platz in regelmäßigen Abständen verkehrt.

Der Gellértberg und seine anderen Sehenswürdigkeiten

Ein Ausflug zum Gellértberg ist vor allem durch die prachtvolle Zitadelle am Gipfel und die zahlreichen Aussichtsplattformen einen Besuch wert. Neben dem eindrucksvollen Festigungsbau und der Freiheitsstatue beherbergt der Gellértberg jedoch auch einige andere Kulturdenkmäler, die einen umfassenden Einblick in die Geschichte Budapests gewähren. Der Berg wurde nach einem aus Venedig stammenden Bischof, dem Heiligen Gellért benannt, der die Ungarn im 11. Jahrhundert zum christlichen Glauben bekehrt haben soll. Der Legende nach sperrten ihn die rebellierenden heidnischen Magyaren in ein Fass ein und stießen ihn den Berg hinunter. Daher findet sich am Gellértberg auch das „Denkmal des Heiligen Märtyrerbischofs Gellért“, das an die Taten und den religiösen Einfluss dieses Geistlichen erinnern soll. Das von Kaiser Wilhelm II. finanzierte Bauwerk mit Kolonnade und kleinem Wasserfall wurde im Jahr 1904 fertiggestellt und bietet vom Südhang des Gellértberges aus einen schönen Ausblick auf die andere Seite der Donau.

Im Dolomitgestein des Berges am Südhang liegt auch die sogenannte Stefanshöhle, eine nach Vorbild der Grotte des französischen Wallfahrtsortes Lourdes gestaltete Felsenkapelle, die im Jahr 1931 fertiggestellt wurde und nach Jahrzehnten der Vermauerung seit 1990 der Öffentlichkeit zugänglich ist. Das kunstvoll gestaltete Interieur und die nur spärliche Beleuchtung der kleinen Kirche machen die Stefanshöhle zu einem stimmungsvollen Ort, der besonders in den heißen Sommermonaten mit einer konstanten Temperatur von 20°C für eine willkommene Abkühlung sorgt.